Ubuntu 10.04 – eine Frühgeburt?

Nicht nur die versierten Nutzer von Ubuntu dürften mitbekommen haben, dass vorgestern die neue Version der populärsten Linux-Distribution auf Desktops veröffentlicht wurde. Die Änderungen wurden ja inzwischen oft genug aufgezählt, und Streitigkeiten gab es im Vorfeld natürlich auch – da wären zum Beispiel die Entfernung von GIMP aus der Standardinstallation ohne einen wirklichen Ersatz in Sachen Bildbearbeitung, das neue Design mit dem Mac OS X-Touch, das Gerangel um die Standardsuchmaschine, und ganz neu: Der Ärger um die Unterstützung von i845/i855-Grafikkarten aus dem Hause Intel.

Jaja, der leuchtende Luchs hatte keinen einfachen Start ins Leben. Und wenn man sich so die Posts im ehemaligen Offtopic-Thread des Unstable-Forums auf ubuntuusers.de durchliest, versteht man auch, warum. Die Installation bzw. die Nutzung von Ubuntu 10.04 scheint nämlich ähnlich wie Lotto ein verdammtes Glücksspiel zu sein – bei dem einen klappts perfekt, beim anderen nur teilweise oder überhaupt nicht. Sowas bei einer LTS (= Long Term Support, also 3 Jahre Unterstützung für Desktops und 5 für Server), die Canonical schwarze Zahlen schreiben lassen soll? Da mag der eine oder andere berechtigte Zweifel haben.

Ich persönlich sehe die Sache allerdings ein wenig neutraler. Immerhin war meine Aufgabe in den letzten paar Tagen die Einrichtung von Ubuntu 10.04 auf dem Laptop einer Verwandten, und große Probleme gab es dabei nicht. Die Installation lief ohne Probleme ab, Mikrofon, Webcam, Grafikkarte etc. wurden ootb erkannt und eingerichtet. Das Einzige, was ich noch verändern musste, war das Design – also kurzerhand ein blaues Shiki-Theme installiert, den Plymouth-Standardscreen sowie den GDM verändert, die nötigen Programme nachinstalliert et voilà, der PC läuft. Und das fast ganz ohne Macken – was noch nicht ganz so will, ist die Einstufung der Displayhelligkeit. Aber das wird schon noch. Oder auch nicht.

Insgesamt ist der leuchtende Luchs allerdings für viele eher eine Art Frühgeburt: Manche hätten sich gewünscht, dass Canonical wie bei der vorletzten LTS-Version wieder die Notbremse zieht und den Release in den Juni verschiebt – 10.06 statt 10.04 eben. Da der release schedule für Canonical allerdings heilig zu sein scheint (ich bedanke mich für die Person im ubuntuusers-Forum, die diesen Satz dort verfasst hat), wurde der Luchs eben auf Teufel komm raus in die Welt gepresst – obwohl eine zweimonatige Zeitspanne für das Entfernen von Bugs etc. eventuell noch ganz gut gewesen wäre. Was solls, wer auf Nummer sicher gehen will, wartet bis zum 29. Juni – da kommt der erste Snapshot, also 10.04.1, welcher wohl ein wenig ausgereifter sein wird. Also so, wie es eine LTS allgemein sein sollte.

Oh, und bevor ich es vergesse: Die LTS bekommt man übrigens wie immer unter dieser Adresse.

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